Gratwanderung
Um mich vom Fakt abzulenken, dass mein noch-Mann mit ‘der anderen Frau‘ vor einem Monat eine Beziehung begonnen hat, habe ich geplant, 3-4 Tage wandern zu gehen. Nicht wirklich wandern, eher spazieren, im Jura, wo alles flach ist, wegen meiner Höhenangst.
Die erste Etappe hat schön begonnen, an lauschigen Höfen und schönen Dörfern vorbei, doch danach kam ich auf einen Grat. ‘Die andere Frau‘ hat sicher keine Höhenangst, dachte ich und habe mich gezwungen, immer weiter auf diesem Grat zu gehen. Ich habe immer wieder laut auf auf vier gezählt und tief geatmet: 1, 2, 3, 4 - immer und immer wieder einen Schritt weiter. Aber dann kam der Moment, an dem ich weder vor noch zurück konnte. Ich setzte mich hin und klammerte mich an einen Stein.
Und was war das einzige, was mir eingefallen ist? Meinen noch-Mann anrufen, damit er mich “rettet”. Als er nach 3 Stunden da war, war ich völlig aufgelöst (und er völlig entnervt). Er hat mir die Hand gegeben - mit dem neuen Armband “der anderen Frau” - und hat mich 25 Minuten zurück geführt. Ich habe dabei immer gesagt: “Du lässt mich nicht los, oder?” Unten angekommen, hat er ”die andere Frau” angerufen.
Nachtrag: Man muss kein Psychologe sein, um sehr viel in diese Situation rein zu interpretieren - schon klar. Aber mir hat sie vor allem etwas über die Gratwanderung meiner eigenen Grenzen gezeigt.