In der Leere stehen
Mehrere Freunde haben mich aufgemuntert, dass ich nun für mich einstehen müsse. Das ist ein lieb gemeinter Rat, der mir teuer ist. Nur: seit ich 16 Jahre alt bin, war immer jemand da, der für mir half, für mich einzustehen, oder der gleich mit mir einstand. Und dann, nach mehr als 30 Jahren dreht er sich um, geht weg, ohne mich vorzuwarnen und ich stehe im Leeren. Nicht mehr hinter, neben, vor oder mit mir. Nein, er geht nicht nur weg, er steht für jemanden anderen ein. Ich bin fassungs- und haltlos. Ich brauche eine ”Steh-Hilfe” fürs ’für mich einstehen’, ich weiss nicht, wie das geht. Ich musste es bis jetzt nie tun.
Well, um ganz ehrlich zu sein: Das stimmt nicht ganz, auch wenn dieses Gefühl sehr stark ist im Moment. Es war auch ein wenig die Drama-Queen in mir, die das obige so niederschrieb. Denn es gab Schlüssel-Situationen in meinem Leben, wo ich mir gewünscht hätte, dass mein noch-Mann für mich einstand. Und - guess what? Er hat es auch damals nicht getan.
Und da, wo die Enttäuschung begraben liegt, wartet auch die Bitterkeit, die alt und grau macht. Aber da, wo die Enttäuschung begraben liegt, wartet auch der Trotz, der langsam in mir wächst. Ich wünsche mir, dass ich aus der Trauer hin zu diesem Trotz finde, zulasse, dass ich wie eine Zweijähriger wüte. So dass der Trotz mir hilft mich nicht nur aufzurichten und für mich einzustehen, sondern mir als “Geh-“ und nicht nur als “Steh-Hilfe” die Kraft gibt, aus der Leere ins Leben zu gehen.